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Waldbaden #5 Wie der Wald uns heilt und gesund hält!

Richard Staudner
Richard Staudner

The Optimizer

Ich denke, es überrascht uns nicht allzu sehr, dass uns die Natur gut tut, es aber wissenschaftlich bestätigt zu bekommen und es damit hieb und stichfest zu machen ist noch einmal etwas anderes. Diese Ergebnisse können uns motivieren, Waldbaden intensiver zu betreiben. Sie dienen aber auch Entscheidungsträgern im medizinischen Bereich und auch der Politik den Einsatz von geführten Waldbaden im Krankheitsfall zu verschreiben oder zumindest zu empfehlen.

So wie es in Japan Standard ist. Das wäre eine weitere Chance neben gutem Schlaf, gesunder Ernährung und ausreichend Bewegung, unsere Gesundheit medikamentenfrei positiv zu beeinflussen.

Hat Waldbaden einen Platz in der Medizin oder bleibt es “Heilkunde”? Sehen wir uns an, welche Wirkung wissenschaftlich rund um Waldbaden belegt ist und wie es eigentlich seine gesundheitsfördernde Wirkung entfaltet.

Holistische Waldmedizin

Es ist schwierig genau zu bestimmen, worauf die Wirkung von Waldbaden beruht. So viele Einflüsse wirken auf den Menschen, wenn er sich in der Natur aufhält. Es ist mit Sicherheit ein Zusammenspiel der verschiedenen Eigenschaften des Waldes und ganz besonders die Abwesenheit verschiedener Stressoren des Alltages. Neben den Gerüchen ist vermutlich besonders die Lichtspiele und die visuelle Stimulierung und im Wald ein fundamentales Element. (Antonelli et al., 2020)

Natürlich dürfen wir nicht vergessen, dass Bewegung einen starke positive Wirkung auf unseren Körper hat und wir zumindest im Wald spazieren gehen.

So viele einzelne Elemente wirken im Wald. Licht und Farben beeinflussen unsere Psyche. Komorebi nennen die Japaner das Lichtspiel, wenn die Sonne durch die Blätter scheint (Miyazaki, 2018).
Die Farben Blau und Grün können tiefliegende Bedürfnisse nach Sicherheit, Nahrung, Überleben ansprechen und so Entspannung einleiten. Das ist evolutionär in uns verankert. Haben sich unsere Vorfahren doch immer in der Nähe eines Flusses oder Waldes angesiedelt. So gab es Trinkwasser oder Brenn- und Bauholz.

Selbst spezielle Formen in Ästen und Blättern, Fraktale genannt, können unser zentrales Nervensystem stimulieren.

Auch Geräusche machen den Wald aus: raschelnde Blätter im Wind, singende Vögel oder Wasserplätschern können zu unserer Entspannung beitragen. Ich glaube, dass wir, evolutionär gesehen, mehr auf die Geräusche des Waldes abgestimmt sind, als auf den akustischen Overload der Stadt. Oft sind es auch die Stille und das Fehlen hektischer Geräusche, die die Ruhe im Wald ausmachen. Die Natur sitzt uns evolutionär noch in den Genen, kann man sagen. Es ist in unserer DNA gespeichert und wahrscheinlich der Grund, warum wir im Wald so schnell entspannen können.

Das einzigartige Klima im Wald mit kühler Temperatur, besonders sauberer Luft und höherer Luftfeuchtigkeit ist ein Signal an unseren Körper. Mit dem Berühren von Holz kann der Parasympathikus, unser Entspannungsmodus, aktiviert werden und beim Berühren von Blättern stellt sich eine unterbewusste Entspannung ein. (Antonelli et al., 2021; Stier-Jarmer et al., 2021)

Vor allem aber hat sich gezeigt, dass man die Wahrnehmung auch genießen muss. Wenn gewisse Sinnesreize, zum Beispiel ein Bachplätschern, Bilder von Bäumen oder Gerüche, positiv aufgenommen werden, dann entspannt sich die Gehirnaktivität, der Blutdruck und die Körperhaltung. Wenn die Teilnehmer:innen keinen Gefallen finden, dann sind auch keine körperlichen Anzeichen der Entspannung zu sehen. (Miyazaki, 2018) Man kann wohl niemanden zum Waldbaden zwingen. Die Interaktion mit der Natur ist nunmal essentiell.

Die Chemie und Pharmakologie des Waldes

Im Wald besteht eine ganz eigene Atmosphäre, eine besondere Luftzusammensetzung. Man spricht hier auch von BVOCs (Biogenic Volatile Organic Compounds). Das sind Stoffe natürlichen Ursprungs, die leicht verdampfen. Die wichtigsten Komponenten in der speziellen Waldatmosphäre sind die sogenannten Terpene. Diese Moleküle werden von verschiedenen Pflanzen produziert, insbesondere von Nadelgehölzen. Aber auch der Boden, die Mikroorganismen, Insekten und totes Pflanzenmaterial emittieren Waldstoffe zum Schutz, zur Kommunikation und zur Verteidigung (Meneguzzo et al., 2019). Wir kennen die Terpene auch aus ätherischen Ölen, welche genau genommen stark konzentrierte Duftstoffe aus verschiedenen Pflanzen sind. (Cho et al., 2017)

Dann gibt es noch die Terpenoide, eine Untergruppe, die zusätzlich Sauerstoffatome enthält. Die Pflanzen produzieren diese Stoffe aus verschiedenen Gründen. Sie können zum Schutz gegen Fressfeinde oder Krankheitserreger dienen. Manche Stoffe werden dauerhaft von den Pflanzen abgegeben und andere nur in Stresssituationen. (Kim et al., 2020) Jede Pflanze hat dabei ihr ganz eigenes Profil an flüchtigen Stoffen, wie man es auch an den unterschiedlichen Gerüchen erkennen kann. Mit diesen Stoffen können die Pflanzen auch innerhalb ihrer Spezies kommunizieren. (Hansen et al., 2017)

Genau diese Stoffe werden jetzt mit der positiven Wirkung des Waldbades in Verbindung gebracht. Sie haben eine antientzündliche, antioxidative und neuroprotektive Wirkung (Stier- Jarmer et al., 2021), besonders auf die Atemwege (Antonelli et al., 2020). Sie erhöhen die NK-Zellen der Immunabwehr und reduzieren Adrenalin, erhöhen die Aktivität des Parasympathikus und senken die Herzfrequenz (Hansen et al., 2017). Sie sind entspannend, beruhigend und angstlösend (Antonelli et al., 2021) und können vermutlich die Hirnleistung, geistige Erschöpfung und Stimmung verbessern (Antonelli et al., 2020). Das hört sich ja schon fast nach Zaubermittel an…

Wie funktioniert das?

Genau wissen wir noch nicht, wie das Einatmen von ein paar Duftstoffen diese positiven Effekte erzielt, aber aus Tierversuchen und Labortests können schon einige mögliche Mechanismen identifiziert werden (Kim et al., 2020). Hier wird es ein bisschen nerdig, wir wollen uns ein paar Wirkmechanismen ansehen.

Antientzündlich: Versuche zeigen, dass die Terpene entzündungsfördernde Stoffe reduzieren können, dazu zählen zB Interleukine, TNF-alpha oder COX-2. Das habe auch Einfluss auf Neuroinflammation und könnte somit auch auf Alzheimer eine Wirkung ausüben. Die Terpene beeinflussen die Produktion der Entzündungsmediatoren im Körper. Sie wirken außerdem auf die Cannabinoid II Rezeptoren. Besonders antientzündlich wirkt Alpha-Pinen von Nadelbäumen (Cho et al., 2017).

Antioxidativ: Sie senken die Aktivität der Enzyme, die oxidativ wirkende Spezies generieren und schützen auch direkt vor dem oxidativen Schaden, der durch solche Spezies entstehen kann. In Versuchen helfen sie auch gegen mitochondriale Dysfunktion, und können so auch die Menge an produzierten Radikalen senken. Außerdem reduzieren sie die Peroxidation von Lipiden.

Die Stoffe stehen in Verdacht, Autophagie zu stimulieren und so das Tumorwachstum zu reduzieren. Sie können auch in den Zellzyklus eingreifen und den fortlaufenden Prozess der Vermehrung stoppen, auch dies trägt zur Antitumorwirkung bei, kann aber im Übermaß auch kontraproduktiv wirken, weshalb mit ätherischen Ölen und ähnlichen Duftkonzentraten sorgfältig umgegangen werden sollte. Im Wald ist die Konzentration der Stoffe jedoch nicht so hoch, dass eine kontraproduktive Wirkung zu erwarten ist. Studien vermuten sogar, dass die Antitumorwirkung synergistisch mit Chemotherapie eingesetzt werden kann und diese in der Wirkung noch verstärkt (Cho et al., 2017).

Alles in allem fehlen uns aber noch klinische Studien, insbesondere auch mit Menschen, um genaue Wirkungsweisen zu verstehen. (Cho et al., 2017)

Wald ist nicht gleich Wald

Wie oben schon erwähnt hat jede Pflanze ihr eigenes Profil an flüchtigen Stoffen. Unterschiedliche Terpene wirken auch unterschiedlich, daher stellt sich natürlich die Frage: Welcher Wald ist am besten? Gibt es Lungenwälder, Nervenwälder oder Herzwälder? Leider wissen wir dazu noch nicht genug um das zu beantworten (Andersen et al., 2021). Eine kleine Studie in Italien etwa berichtet von höheren Emissionswerten der Nadelbäume gegenüber den Buchen, stellt aber fest, dass aus diesen Ergebnissen noch keine allgemeingültigen Schlüsse gezogen werden können (Meneguzzo et al., 2019).

Wieder andere Studien zeigen, dass manche Laubbäume weitaus höhere Emissionen von Terpenen haben als Nadelbäume (Chen et al., 2019). Wie bereits erwähnt, spielen neben den Gerüchen natürlich auch die anderen Sinneseindrücke eine Rolle. Farbe, Form, Lichtverhältnisse und Geräusche unterscheiden sich auch in den unterschiedlichen Wäldern.

Erste Versuche zeigen auch, dass verschiedene Bäume auf unterschiedliche Menschen wirken. Etwa wirkt die Eiche stärker auf Frauen angstlösend als auf Männer, die Birke auf beide gleich und der Ahorn auf beide kaum (Antonelli et al., 2021).

Die Abgabe der Stoffe erfolgt in der Natur anscheinend auch einem Tag- Nacht- Rhythmus, den man sich zunutze machen kann. In der Früh steigen die Werte, vor allem durch die Waldstoffe aus der Erde, Vormittags sinken die Konzentrationen dann wieder. Am frühen Nachmittag erreichen sie ihre Höchstwerte um dann später wieder abzusinken auf ein Minimum am späten Nachmittag. Insbesondere wolkenlose und windstille Tage eignen sich zum Waldbaden, da hier die Luft nicht so schnell durchmischt wird und die Konzentration der BVOCs ansteigen kann. (Antonelli et al., 2021; Chen et al., 2019; Meneguzzo et al., 2019; Stier-Jarmer et al., 2021) Insbesondere im Sommer sind die Lichtverhältnisse und hohen Temperaturen positiv für die physiologische Wirkung des Waldbadens (Andersen et al., 2021). Aber auch im Frühling wenn die Bäume in der Blüte stehen und frische Blätter antreiben kann der Gehalt der Waldstoffe in der Atmosphäre ansteigen (Chen et al., 2019).

Also?

Ich denke, die Ergebnisse sprechen für sich: Waldbaden hat ein unheimliches Potenzial. Eines, dass wir vielleicht noch nicht ernst genug genommen haben, weil es ja gratis und frei verfügbar ist. Aber was, wenn Waldbaden eine kräftige Präventivmedizin darstellt? Für fast alle Menschen in Österreich zugänglich ist und nicht wirklich Nebenwirkungen zeigt? Kann es echt so einfach sein? Auch wenn es noch mehr wissenschaftliche Forschung braucht und natürlich auch praktische Erfahrungen, denke ich, es ist tatsächlich so einfach. Welche Wälder uns besonders gut tun, was man im Wald am besten macht, wie oft und wie lange man sich darin aufhalten sollte, ist nicht so einfach zu definieren. Aber wir sollten mit all diesen wertvollen Informationen pragmatisch umgehen. Am Ende ist es doch recht simpel: Geh in den Wald und sei neugierig! Du wirst spüren, was es in dir bewirkt!

Waldige Grüße

Richard Staudner
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Richard Staudner

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