Das Ende aller Autoimmunerkrankungen? Die Jahrhundert-Entdeckung!  

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Richard Staudner

Der Optimizer

Bevor wir gleich tief in die neueste Entdeckung eintauchen, lass uns kurz klären, worum es bei Autoimmunerkrankungen überhaupt geht.

Autoimmunerkrankungen entstehen, wenn das Immunsystem seinen wichtigsten Job falsch versteht: Es soll eigentlich Fremdkörper wie Viren oder Bakterien bekämpfen. Doch plötzlich hält es körpereigene Zellen für Feinde – und greift sie an. Dieses fehlgeleitete Abwehrverhalten führt zu bekannten Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose, Morbus Crohn, Hashimoto-Thyreoiditis, rheumatoider Arthritis und vielen anderen. Weltweit sind heute etwa 800 Millionen Menschen von Autoimmunerkrankungen betroffen – Tendenz steigend.

Vor kurzem haben Forscher*innen einen verborgenen Schalter im Immunsystem entdeckt — der darüber entscheidet, ob dein Körper dich schützt oder dich angreift. Und genau dieser Schalter steht bei Millionen Menschen mit den besagten Autoimmunerkrankungen dauerhaft auf „Fehlalarm“. 

Und jetzt stell dir vor: Dieser Schalter lässt sich umlegen. Mit einer Art „innerem Reset“, der dem Körper beibringt, wieder zwischen Freund und Feind zu unterscheiden.

Diese Entdeckung, die tief ins Fundament unseres Immunsystems eingreift, hat letztes Jahr den Nobelpreis erhalten. Und damit stellt sich eine Frage,  die sich vor ein paar Jahren kaum ein Mediziner oder wissenschaftlicher getraut hat zu fragen:

Könnte das das Ende aller Autoimmunerkrankungen sein?

Laut den neuesten Erkenntnissen müssen Autoimmunerkrankungen kein dauerhaftes Schicksal sein. Sie sind anscheinend umtrainierbare Fehlsteuerungen. Damit wird klar, wo die Reise hingeht: Nicht mehr nur Symptome lindern — sondern den Fehler im System korrigieren.

Warum unser Immunsystem uns verraten kann

Normalerweise schützt uns das Immunsystem vor Viren, Bakterien und anderen Eindringlingen. Doch bei Autoimmunerkrankungen greift das Immunsystem Körperteile an, die eigentlich zu „uns“ gehören — etwa Gelenke bei Rheuma, Nervenzellen bei Multipler Sklerose oder die Insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse bei Typ-1-Diabetes. Wir nennen das „Autoimmunität“.

Das passiert, wenn das Immunsystem die Grenzen zwischen „fremd“ und „eigen“ verliert. Und offenbar: Wenn diese Grenze nicht gut bewacht wird, gerät das System schnell außer Kontrolle.

Warum die neue Erkenntnis so revolutionär ist

Bis vor Kurzem glaubte man, der Körper „verlernt“ Autoimmunität in einem zentralen Organ – der Thymusdrüse, unserem immunologischen Trainingslager, in dem T-Zellen lernen, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden. Doch die Wissenschaftler zeigten: Es gibt eine zweite Ebene der Kontrolle – außerhalb der Thymusdrüse. In unserem ganzen Körper patrouillieren regulatorische T-Zellen, sogenannte “Tregs”, und sorgen dafür, dass fehlgesteuerte Immunzellen, die trotz aller Filter entkommen sind, keinen Schaden anrichten. Für diese Entdeckung erhielten die Forscher 2025 den Medizin-Nobelpreis. Ein Preis dieser Größenordnung zeigt, wie fundamental diese Entdeckung ist – eine internationale Anerkennung dafür, dass wir Autoimmunität nun auf einer völlig neuen wissenschaftlichen Ebene verstehen dürfen.

Das heißt: Selbst wenn der erste Filter nicht perfekt war, kann das System mit den Tregs dafür sorgen, dass keine Autoimmunreaktion aufflammt.

Diese zweite Kontroll-Ebene ist entscheidend

Tregs sind also die zentrale Sicherheitsinstanz außerhalb der Thymusdrüse – und genau hier wird es spannend. Ihre Wirkung basiert auf einem einzigen Schlüsselfaktor: dem FOXP3-Gen. Dieses Gen entscheidet darüber, ob eine Immunzelle zu einer voll funktionsfähigen regulatorischen T-Zelle wird, die das gesamte Immunsystem im Gleichgewicht hält.

Ist FOXP3 aktiv, entstehen hochspezialisierte Tregs, die fehlgesteuerte Immunzellen stoppen, Entzündungen dämpfen und verhindern, dass Autoimmunreaktionen überhaupt eskalieren.
Fehlt FOXP3 hingegen – oder arbeitet es nicht korrekt – bricht diese Balance sofort ein. Die immunologische Bremse fällt weg, und der Körper beginnt, sich selbst anzugreifen. Genau das sieht man bei seltenen FOXP3-Defekten, bei denen schwere Autoimmunerkrankungen schon im Kindesalter auftreten.

Was das für Autoimmunerkrankungen bedeutet

Wenn das stimmt, dann wird klar: Autoimmunerkrankungen müssen kein Schicksal sein. Vielleicht kann man das Immunsystem tatsächlich umlernen. Genau daran wird geforscht: Es gibt Ansätze, Tregs zu verstärken — sei es durch Medikamente, Zelltherapien oder gentechnisch veränderte Zellen. Das Ziel: dem Körper wieder beizubringen, was er darf – und was nicht.

Diese Therapien könnten bedeuten:

  • Bei Krankheiten wie Rheuma, Multipler Sklerose oder Typ-1-Diabetes nicht nur Symptome gelindert werden, sondern langfristig Heilung ermöglicht werden könnte.
  • Bei Organtransplantationen würde die Gefahr der Abstoßung massiv gesenkt werden, weil das Immunsystem gezielt beruhigt wird.

Du kannst jetzt schon mithelfen — Biohacking für dein Immunsystem

Obwohl die große Medizin-Revolution noch in der Entwicklung ist: Du kannst schon heute selbst etwas tun, um dein Immunsystem im Gleichgewicht zu halten. Hier ein paar einfache, aber wirksame Ideen:

  • Gesunde Ernährung & Darmflora:
    Eine vielfältige, ballaststoffreiche Ernährung (viel Gemüse, pflanzliche Ballaststoffe, fermentierte Lebensmittel) fördert ein stabiles Darmmikrobiom. Einige Darmbakterien produzieren Stoffwechselprodukte, die direkt regulatorische T-Zellen unterstützen – also genau jene Zellen, die Autoimmunreaktionen im Zaum halten.
  • Insbesondere Gluten kann bei manchen Menschen Autoimmunprozesse verstärken. Bei Hashimoto zeigen mehrere kleinere Studien, dass eine glutenfreie Ernährung entzündliche Marker wie TPO- oder Tg-Antikörper bei einem Teil der Betroffenen verbessern kann – vor allem dann, wenn genetische Risikofaktoren wie HLA-DQ2 oder HLA-DQ8 vorliegen. Das sind Immun-Gene, die bestimmen, wie dein Körper Gluten einordnet (als Gefahr oder nicht). Sie machen niemanden automatisch krank, erhöhen aber die Wahrscheinlichkeit, dass Gluten eine überaktive Immunantwort auslöst.

Auch in der Neuroimmunologie gibt es Hinweise: Bei Multipler Sklerose zeigte eine randomisierte Langzeitstudie, dass eine glutenfreie Ernährung über Jahre zu weniger Entzündungsaktivität und einer langsameren Verschlechterung führen kann. Kein Heilmittel – aber ein sinnvolles Stellrad, um Entzündungsstress zu reduzieren.

Ähnliche Beobachtungen gibt es übrigens auch bei chronischen Darmerkrankungen und Typ-1-Diabetes – auch dort zeigen erste Studien, dass Glutenreduktion bei einem Teil der Betroffenen entzündliche Prozesse messbar beeinflussen kann.

Gluten ist nicht für jeden ein Problem. Aber wenn du Hashimoto, MS oder andere Autoimmunprozesse hast, kann ein glutenfreier Versuch deinem Immunsystem helfen, ruhiger zu werden. Lass dich im Zweifelsfall mit einer Ernährungsberatung professionell begleiten. 

  • Ausreichend Schlaf & Stress reduzieren:
    Chronischer Stress und Schlafmangel schwächen das Immunsystem und können die Kontrolle durcheinanderbringen. Entspannungsrituale, Waldbaden, Atemtechniken oder Meditation entlasten dein System spürbar.
  • Moderate Bewegung:
    Regelmäßige Bewegung reguliert Entzündungsprozesse, fördert Regeneration und bringt das Immunsystem in Balance. Schon 20–30 Minuten moderate Aktivität pro Tag machen einen messbaren Unterschied.
  • Vitamine & Mikronährstoffe im gesunden Maß:
    Einige Mikronährstoffe – besonders Vitamin D – haben starken Einfluss auf Immunregulation und Treg-Aktivität. Sowohl Mangel als auch Überdosierung können Probleme verursachen. Daher: Blutwerte checken und sinnvoll ergänzen.

Kurz: Mit einem gesunden Lebensstil hältst du dein Immunsystem im Gleichgewicht – solange, bis die Medizin gezielte Lösungen anbieten kann.

Warum wir trotzdem Geduld brauchen — und trotzdem hoffen dürfen

Klar ist: Der Weg ist noch lang. Forscher:innen arbeiten daran, Tregs gezielt zu vermehren, stabil und sicher zu machen — ohne neue Risiken. Das ist komplex, weil das Immunsystem ein feines System ist. Wer es zu sehr dämpft, kann anfälliger für Infektionen oder gar Krebs werden. 

Aber: Es gibt bereits klinische Studien und experimentelle Ansätze — ein Signal dafür, wie realistisch eine echte Behandlung in der Zukunft ist. 

Kurzum: Ja — es könnte wirklich das Ende (oder zumindest den Beginn von einem Ende) der Autoimmunerkrankungen bedeuten. Nicht durch stumpfe Abschaltung des Immunsystems, sondern durch eine kluge Umprogrammierung. Noch sind diese Therapien nicht im Alltag angekommen. Aber sie zeigen: Das Immunsystem kann lernen. Und darin besteht eine große Chance für viele Betroffene von Autoimmunerkrankungen.

Energiegeladene Grüße,

Der Optimizer

Richard Staudner 

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Literatur 

  1. Rudensky, A. Y. (2011). Regulatory T Cells and Foxp3. Nature Reviews Immunology. PMC
  2. Rajendeeran, A. et al. (2021). Regulatory T cell function in autoimmune disease. Autoimmunity Reviews. PMC
  3. Tao, J. H. (2017). FOXP3, Regulatory T Cell, and Autoimmune Diseases. Journal of Autoimmunity. PubMed
  4. Mohr, A. (2019). The role of FOXP3+ regulatory T cells in human autoimmune diseases. Frontiers in Immunology. PubMed
  5. Honing, D. Y. (2024). Regulatory T Cell Dysfunction in Autoimmune Diseases. International Journal of Molecular Sciences. PMC
  6. Goswami, T. K. et al. (2022). Regulatory T cells and their therapeutic potential. Frontiers in Immunology. PMC
  7. Sakaguchi, S. (2008). Regulatory T cells and immune tolerance. Annual Review of Immunology. ScienceDirect
  8. Wang, L. et al. (2025). Regulatory T cells in homeostasis and disease. Signal Transduction and Targeted Therapy.
  9. Passali, M., Josefsen, K., Frederiksen, J. L., & Antvorskov, J. C. (2020). Current Evidence on the Efficacy of Gluten-Free Diets in Multiple Sclerosis, Psoriasis, Type 1 Diabetes and Autoimmune Thyroid Diseases. Nutrients, 12(8), 2316. https://doi.org/10.3390/nu12082316
  10. Araújo, E. M. Q., Coutinho-Lima, C. R. O., Sousa, A. S. d., Souza, L. M. S. d., Ramos, H. E., Almeida-Pititto, B. d., Canto, G. D. L., & Trevisani, V. F. M. (2025). Effects of Gluten-Free Diet in Non-Celiac Hashimoto’s Thyroiditis: A Systematic Review and Meta-Analysis. Nutrients, 17(21), 3437. https://doi.org/10.3390/nu17213437

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