Potenzpille Tadalafil – Ein unterschätztes Longevity-Tool für Herz & Gehirn?

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Richard Staudner

Der Optimizer

Tadalafil ist eigentlich als Wirkstoff in Potenzpillen bekannt – eine „Sex-Pille“ gegen Erektionsstörungen. Doch dieses Medikament kann weit mehr als nur das Liebesleben verbessern. In den letzten Jahren rückt Tadalafil zunehmend in den Fokus von Biohackern und Longevity-Experten – als mögliches Werkzeug zur Optimierung der Gefäßgesundheit. Why? Weil es die Durchblutung systemisch verbessern, die Funktion der Blutgefäße (Endothelfunktion) stützen und möglicherweise Alterungsprozesse verlangsamen kann.

Durch die offenen Blutgefäße gelangen mehr Blut, Sauerstoff und Nährstoffe in verschiedene Gewebe. 

Tadalafil könnte also ein wertvolles Werkzeug für Gefäßfunktion, optimale Durchblutung und Energieverteilung im Körper sein – und somit für unsere langfristige Gesundheit und Leistungsfähigkeit.

Was ist Tadalafil und seit wann ist es auf dem Markt?

Tadalafil wurde in den 1990er-Jahren von der ICOS Corporation in Zusammenarbeit mit Glaxo Wellcome entwickelt. Ursprünglich war der Wirkstoff als Mittel gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen gedacht, bevor man seine Wirkung auf die Erektion entdeckte. Im Jahr 2003 wurde Tadalafil schließlich unter dem Namen Cialis in den USA zur Behandlung der erektilen Dysfunktion zugelassen. In den folgenden Jahren kamen weitere Anwendungsgebiete hinzu: 2009 erhielt es die Zulassung zur Behandlung der benignen Prostatahyperplasie (kurz BPH – eine gutartige Vergrößerung der Prostata), 2011 für die tägliche Anwendung bei Erektionsstörungen und 2013 schließlich unter dem Namen Adcirca zur Behandlung der pulmonalen arteriellen Hypertonie (kurz PAH – Bluthochdruck in der Lunge). Damit ist Tadalafil seit über zwei Jahrzehnten klinisch etabliert und zählt zu den am besten erforschten Vertretern seiner Wirkstoffklasse.

Tadalafil gehört zur Wirkstoffklasse der PDE-5-Hemmer (Phosphodiesterase-Typ-5-Inhibitoren). Um zu verstehen, was das bedeutet, schauen wir kurz auf den normalen Ablauf der Gefäßsteuerung im Körper: Bei Bedarf (zum Beispiel durch körperliche Aktivität oder sexuelle Erregung) schüttet der Körper den Botenstoff Stickstoffmonoxid (NO) aus. NO sorgt dafür, dass sich in der Gefäßmuskulatur cGMP (zyklisches Guanosinmonophosphat) bildet – ein Signalstoff, der die Gefäßwände erschlaffen lässt. Die Folge: Die Blutgefäße weiten sich, und mehr Blut kann durchströmen. Dieser Mechanismus sorgt zum Beispiel für eine Erektion, aber eben auch für bessere Durchblutung von Herz, Gehirn oder Muskeln.

Das Enzym PDE-5 (Phosphodiesterase Typ 5) wirkt wie ein „Abschalter“ für dieses Signal: Es baut cGMP wieder ab, damit die Gefäße sich nach einiger Zeit wieder verengen können. Hier setzt Tadalafil an: Als PDE-5-Hemmer blockiert es dieses Enzym. The result: cGMP bleibt länger erhalten, die Gefäße bleiben länger entspannt und weitgestellt. Anders ausgedrückt: Tadalafil verlängert die Dauer der Gefäßerweiterung im Körper.

Tadalafil hält Blutgefäße länger offen und dadurch fließt systemisch mehr Blut und damit mehr Sauerstoff sowie Energie in die verschiedenen Organe. Dieser Effekt tritt nicht nur in den Genitalien auf, sondern überall dort, wo Blut benötigt wird – vom Gehirn bis zu den Muskeln.

Warum braucht der moderne Mensch so einen Wirkstoff?

Man könnte fragen: Warum „braucht“ ein moderner Mensch überhaupt ein Mittel, das die Gefäße offen hält? Die Antwort liegt in unserer heutigen Lebensweise. Mehrere Faktoren des modernen Lebens führen zu einer Verschlechterung der Gefäßgesundheit:

  • Endothel-Dysfunktion: Die innerste Schicht der Blutgefäße, das Endothel, verliert durch Alter, ungesunde Ernährung, Rauchen oder Stress an Funktion. Es produziert weniger NO, die Gefäßwände versteifen sich.
  • Insulinresistenz und Stoffwechselprobleme: Chronisch erhöhter Blutzucker und Insulin (etwa durch Übergewicht und zuckerreiche Ernährung) schädigen die Gefäßwände und verschlechtern die Durchblutung.
  • Bewegungsmangel: Wer viel sitzt und sich wenig bewegt, stimuliert seine Gefäße kaum. Die Folge ist eine geringere Gefäßanpassung und schlechtere Mikrozirkulation im Gewebe.
  • Chronische Entzündungen: Dauerhaft erhöhte Entzündungswerte im Körper (durch Stress, falsche Ernährung, etc.) greifen die Blutgefäße an und fördern Ablagerungen.

All diese Faktoren tragen zu schlechterer Durchblutung bei. Oft macht sich das zuerst an den kleinsten Gefäßen bemerkbar. Ein bekanntes Beispiel: Erektionsstörungen gelten häufig als erster Warnhinweis für Gefäßprobleme. Warum? Weil die Penisarterien relativ klein sind – wenn sie durch Atherosklerose und Endothel-Dysfunktion verengt sind, zeigt sich das schneller als etwa bei den Herzkranzgefäßen. Es ist also kein Zufall, dass Erektionsprobleme oft Jahre vor einer koronaren Herzerkrankung auftreten. Sie signalisieren eine vorzeitige Gefäßalterung.

Doch Durchblutungsprobleme betreffen nicht nur die Sexualfunktion. Sämtliche Organe können darunter leiden, wenn die Gefäße nicht optimal arbeiten. Das Gehirn bekommt weniger Sauerstoff und es kommt zu Ermüdung sowie „Brain Fog“, das Herz wird schlechter versorgt, d.h es besteht ein erhöhtes Infarktrisiko, die Muskeln bekommen weniger Nährstoffe, womit die Leistungsfähigkeit sinkt und die Regeneration langsamer wird. Insofern könnte ein Wirkstoff wie Tadalafil, der die Blutgefäße systemisch unterstützt, für den „modernen Menschen“ besonders interessant sein.

Vergleich: Tadalafil vs. Viagra 

Die meisten kennen Tadalafil unter dem Handelsnamen Cialis, während Viagra (Wirkstoff Sildenafil) ebenfalls ein verbreitetes Potenzmittel ist. Wie unterscheiden sie sich, und warum gilt Tadalafil als geeigneter für langfristiges Biohacking und nicht nur für den spontanen Einsatz?

Halbwertszeit & Wirkungsdauer: Tadalafil hat eine sehr lange Halbwertszeit von rund 17,5 Stunden. Die Halbwertszeit ist die Zeit, nach der die Konzentration eines Wirkstoffs im Körper auf die Hälfte gesunken ist. Eine einzelne Dosis kann etwa bis zu 36 Stunden im Körper wirken – daher der Spitzname „Wochenend-Pille“. Sildenafil (Viagra) hingegen hat eine Halbwertszeit von nur etwa 4 Stunden, die Wirkung lässt bereits nach 4–8 Stunden deutlich nach. 

Wirkungsprofil: Tadalafil wirkt langsam und stabil. Nach der Einnahme tritt die Wirkung zwar nicht sofort ein (innerhalb 30–60 Minuten), dafür bleibt der Effekt lange erhalten und sorgt für eine gleichmäßige Gefäßweitung über einen längeren Zeitraum. Viagra/Sildenafil wirkt schnell: Bereits nach ~30 Minuten spürbar, aber eben nur für einige Stunden mit einem klaren Peak. Für Biohacking-Zwecke – wo es um eine kontinuierliche Verbesserung der Gefäßfunktion geht – ist ein sanfter, dauerhafter Effekt wie bei Tadalafil deutlich sinnvoller als ein kurzer „Spike“.

Eignung für Biohacking/Longevity: Tadalafil ist aufgrund seiner langen Wirkdauer und Stabilität für eine regelmäßige Einnahme in niedriger Dosierung gut geeignet. Man kann es quasi als Dauermedikation einsetzen, um konstant eine bessere Gefäßfunktion zu erzielen (dazu mehr im Abschnitt Dosierung). Viagra hingegen eignet sich primär für den akuten Einsatz, liefert aber keine anhaltende Verbesserung der Gefäßgesundheit über den Einnahmezeitraum hinaus. Conclusion: Tadalafil wirkt langsam, stabil und langfristig, während Viagra kurz, stark ausgeprägt und kurzfristig wirkt. Für das Ziel der langfristigen Gefäßoptimierung ist Tadalafil daher das Mittel der Wahl.

Wirkung auf Gefäße, Herz & Blutdruck

Wie wirkt sich Tadalafil konkret auf unser Herz-Kreislauf-System aus? Zunächst einmal verbessert es die Endothelfunktion. Durch die anhaltende PDE-5-Hemmung steht dem Körper länger NO/cGMP zur Verfügung, was die Gefäßinnenwände gesund hält und ihre Fähigkeit zur Weitstellung erhöht. Studien zeigen, dass eine langfristige Einnahme von Tadalafil bei Männern mit Risikofaktoren die Gefäßfunktion verbessern kann. Gefäßelastizität and Gefäßdurchmesser nehmen zu, was bedeutet, dass die Adern weniger „steif“ sind.

Ein positiver Nebeneffekt davon ist eine leichte Blutdrucksenkung. Wenn Blutgefäße erweitert sind und elastischer reagieren, muss das Herz weniger gegen hohen Widerstand anpumpen. Tadalafil senkt den systemischen Gefäßwiderstand etwas, was bei manchen Anwendern in einem geringeren Ruheblutdruck resultiert. Allerdings ist wichtig zu betonen: Tadalafil ist kein klassisches Blutdruckmedikament. Es ist in erster Linie ein Gefäßregulator, kein starker Blutdrucksenker. Bei normalem Blutdruck führt es meist nur zu sehr moderaten Absenkungen (wenn überhaupt). Menschen mit hohem Blutdruck können zwar von einer Nebenwirkung profitieren, sollten aber weiterhin die vom Arzt verordneten blutdrucksenkenden Maßnahmen verfolgen.

Für das Herz bedeutet der verringerte Widerstand, dass es entlastet wird. Auch die verbesserte Endothelfunktion trägt zum Herzschutz bei, da gesunde Gefäße weniger zur Plaquebildung und Verengung neigen. Interessanterweise wurden PDE-5-Hemmer ursprünglich auch für bestimmte Herz-Kreislauf-Erkrankungen erforscht: Zum Beispiel ist Tadalafil in höherer Dosierung als Medikament gegen Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie) zugelassen. Dort senkt es den hohen Druck im Lungenkreislauf, was das Herz entlastet und die Sauerstoffversorgung verbessert.

Zusammengefasst: Tadalafil unterstützt die Gefäßgesundheit, macht Arterien geschmeidiger und kann den Blutdruck moderat senken, ohne als starkes blutdrucksenkendes Mittel zu wirken. Es hilft dem Herz-Kreislauf-System, effizienter zu arbeiten, indem es den Widerstand in den Gefäßen reduziert und die Durchblutung verbessert.

Prostata & Harnwege

Ein weniger bekannter Einsatzbereich von Tadalafil ist die Prostata-Gesundheit. Tatsächlich ist Tadalafil in geringer Dosierung (5 mg täglich) auch als Medikament zur Behandlung der benignen Prostatahyperplasie (BPH) zugelassen, also einer gutartigen Prostatavergrößerung. Viele männliche Patienten mittleren und höheren Alters leiden unter dieser Veränderung der Prostata, die zu Problemen beim Wasserlassen führt: abgeschwächter Harnstrahl, häufiger Harndrang, besonders nachts, und das Gefühl unvollständiger Entleerung.

Wie hilft hier Tadalafil? Der Wirkstoff entspannt die glatte Muskulatur in Prostata und Blasenhals, ähnlich wie er es in den Blutgefäßen tut. Durch die Hemmung von PDE-5 staut sich auch in der Prostata mehr cGMP an, was dazu führt, dass sich die Muskelzellen in der Prostata und am Blasenausgang lockern. Die Folge: Die Harnröhre wird weniger eingeengt, und der Urin kann leichter fließen. Zugleich verbessert die bessere Durchblutung der Prostata die Gewebefunktion und kann eventuell entzündliche Prozesse reduzieren.

Studien haben gezeigt, dass Männer mit BPH von einer täglichen Tadalafil-Einnahme deutlich weniger Beschwerden berichten: Sie müssen nachts seltener auf die Toilette gehen, der Harnfluss verbessert sich und das unangenehme Dranggefühl nimmt ab. Diese Wirkung tritt nicht über Nacht ein, sondern in der Regel nach einigen Wochen kontinuierlicher Einnahme, wenn sich das Gewebe entsprechend angepasst hat.

Der Prostata-Effekt von Tadalafil unterstreicht erneut, dass wir es hier nicht mit einer rein „Sex-Pille“ zu tun haben. Ein und derselbe Mechanismus – nämlich die Entspannung von glatter Muskulatur und Gefäßwänden – kann sowohl die Erektionsfähigkeit verbessern als auch beim Wasserlassen helfen. Für ältere Männer mit beiden Problemen (Potenz und Prostata) ist das natürlich ein willkommener Doppelnutzen.

Gehirn & kognitive Leistungsfähigkeit

Unser Gehirn ist ein echter Energiefresser und zugleich auf eine zuverlässige Blutversorgung angewiesen. Eine Idee aus der Neurobiologie ist die neurovaskuläre Kopplung: Vereinfacht gesagt bedeutet das, dass aktive Gehirnareale sofort mehr Blut zugeführt bekommen müssen, um optimal zu arbeiten. Wenn die Gefäßgesundheit leidet, kann auch diese Dynamik gestört sein – die Folge können Konzentrationsschwierigkeiten, schnelleres geistiges Ermüden oder der berüchtigte „Brain Fog“ sein.

Tadalafil könnte hierbei helfen, indem es die allgemeine Gehirndurchblutung verbessert. Zwar überwindet Tadalafil nicht direkt die Blut-Hirn-Schranke, aber durch die systemische Gefäßerweiterung erhöht sich auch im Kopf die Durchblutung. Mehr Blutfluss bedeutet mehr Sauerstoff und Glukose für die Nervenzellen. Anwender berichten häufig von einer geistigen Klarheit und besserem Fokus, wenn sie niedrig dosiertes Tadalafil regelmäßig einnehmen. Dieses subjektive Empfinden lässt sich mechanistisch erklären: Das Gehirn arbeitet schlicht effizienter, wenn die Versorgung stimmt.

Natürlich ist Tadalafil kein klassisches Nootropikum (Gehirn-Leistungs-Booster). Doch die vaskulären Effekte können indirekt die kognitive Leistungsfähigkeit unterstützen. Besonders bei Personen, die aufgrund von Stress, schlechtem Lebensstil oder Alter bereits eine suboptimale Hirndurchblutung aufweisen, könnte eine verbesserte Gefäßfunktion mentale Probleme reduzieren. Interessanterweise werden PDE-5-Hemmer sogar in der Forschung rund um Alzheimer und andere Demenzerkrankungen untersucht, da gute Durchblutung ein Schutzfaktor für das Gehirn ist. Erste epidemiologische Daten deuten darauf hin, dass Männer, die PDE-5-Hemmer einnehmen, seltener an Demenz erkranken – ob hier ein Zusammenhang besteht, ist allerdings noch nicht abschließend geklärt.

Training, Pump & Regeneration

Viele Fitness-Enthusiasten kennen und schätzen den „Muskel-Pump“: Das pralle Gefühl in den Muskeln während und nach einem intensiven Krafttraining, wenn sie verstärkt durchblutet sind. Eine gute Durchblutung ist für Leistung und Regeneration im Training entscheidend. Tadalafil wirkt hier wie ein systemischer Pre-Workout-Booster für die Gefäße. Durch die vasodilatierende (gefäßweitende) Wirkung kommen während des Trainings mehr Blut und damit mehr Sauerstoff und Nährstoffe in die arbeitende Muskulatur.

Das Resultat ist ein stärkerer Pump während des Trainings. Einige Bodybuilder und Athleten nutzen niedrig dosiertes Tadalafil tatsächlich gezielt vor dem Training, um diesen Effekt zu erhalten. Neben dem kurzfristigen Pump könnte auch die Leistungsfähigkeit steigen: Mit besserer Durchblutung ermöglicht man den Muskeln, länger Energie bereitzustellen (besonders im Ausdauerbereich) und Stoffwechselprodukte wie Laktat schneller abzutransportieren.

Auch die Regeneration nach dem Training könnte durch Tadalafil begünstigt werden. Nach dem Sport sind die Muskeln mikroskopisch verletzt und brauchen Nährstoffe sowie entzündungsmodulierende Faktoren, um zu heilen und zu wachsen. Eine verbesserte Mikrozirkulation stellt sicher, dass diese Hilfsstoffe schnell und reichlich ankommen. Viele Anwender berichten von weniger Muskelkater und schnellerer Erholung, wenn die Durchblutung durch Mittel wie Tadalafil erhöht ist.

Wichtig ist: Tadalafil ist kein Stimulans wie Koffein oder klassische „Pre-Workout“-Supplements. Man spürt also keine direkte Antriebssteigerung im Zentralnervensystem. Der Nutzen liegt vielmehr in der peripheren Unterstützung: bessere Versorgung der Muskeln, was indirekt zu mehr Leistungsfähigkeit und schnellerem Wiederaufbau führen kann.

Dosierung im Biohacking-Kontext

Ein Schlüsselunterschied in der Anwendung für Longevity und Performance gegenüber der gelegentlichen Nutzung für Sex ist die Dosierung und Frequenz. Während Tadalafil für den einmaligen Gebrauch (z.B. vor dem Sex) oft in Dosierungen von 10 oder 20 mg genommen wird, sind für das Biohacking deutlich kleinere Mengen üblich. Hier geht es nämlich nicht um einen kurzfristigen maximalen Effekt, sondern um eine stetige Basiseinstellung der Gefäße.

Empfohlen werden 2,5 mg bis 5 mg Tadalafil täglich, oder alternierend jeden zweiten Tag 5 mg. Diese geringe Dauerdosis reicht aus, um den gewünschten Gefäß-Effekt zu erzielen, ohne dass es zu starken akuten Nebenwirkungen kommt. In vielen Ländern ist Tadalafil 5 mg als Tagesdosis (z.B. bei Beschwerden mit der Prostata oder dauerhafte Therapie bei Impotenz) zugelassen; einige Biohacker nehmen sogar noch weniger, insbesondere wenn sie auf die Substanz empfindlich reagieren.

Wichtig ist die Regelmäßigkeit: Um die genannten Vorteile (bessere Endothelfunktion, gesteigerte Durchblutung, etc.) zu erreichen, sollte Tadalafil über einen längeren Zeitraum konsequent eingenommen werden, nicht nur sporadisch. Vergleichbar mit Nahrungsergänzungsmitteln oder Training erzielt man die größte Wirkung durch Konsistenz. Ein positiver Nebeneffekt der niedrigen Dauerdosis: Man muss keine Einnahme genau timen. Bei täglicher Einnahme baut sich ein gleichmäßiger Wirkstoffspiegel auf, so dass man praktisch jederzeit von verbesserten Gefäßbedingungen profitieren kann – sei es im Alltag, beim Sport oder bei intimen Momenten, ohne kurzfristig „planen“ zu müssen.

Natürlich reagiert jeder Körper individuell. Einige Biohacker starten mit 2,5 mg und steigern nur bei Bedarf auf 5 mg täglich. Da die Halbwertszeit von Tadalafil lang ist, bleibt ohnehin über mindestens 36 Stunden ein Teil der Wirksamkeit erhalten. Das Ziel ist eine stabile, anhaltende Gefäßwirkung – nicht der einzelne „Event-Effekt“.

Wirkt Tadalafil auch bei Frauen?

Obwohl Tadalafil offiziell nur für Männer zugelassen ist, gibt es einige Studien, die seine Wirkung auch bei Frauen untersucht haben – vor allem im Zusammenhang mit sexueller Dysfunktion, chronischer Beckenschmerzproblematik oder zur Unterstützung der Durchblutung. Die Ergebnisse sind bisher gemischt: Während einige Frauen von verbessertem Empfinden, besserer Durchblutung im Genitalbereich oder gesteigerter Erregbarkeit berichten, zeigen größere Studien bislang keine eindeutige oder konsistente Wirkung. Das liegt vermutlich auch daran, dass weibliche Sexualfunktion komplexer hormonell, emotional und neurologisch reguliert wird. Aus heutiger Sicht gilt daher: Tadalafil kann in bestimmten Fällen auch bei Frauen interessant sein, insbesondere im therapeutischen Kontext, wird aber derzeit nicht routinemäßig empfohlen. Wer als Frau experimentieren möchte, sollte das mit einem erfahrenen Arzt oder Hormoncoach abklären.

Nebenwirkungen – was kann auftreten?

Auch wenn Tadalafil gut verträglich ist, kann es in den ersten Tagen der Einnahme zu typischen Begleiterscheinungen kommen. Wichtig: Diese Nebenwirkungen entstehen nicht, weil „etwas nicht stimmt“, sondern weil der Körper sich an die neue Gefäßweite und Signalverarbeitung anpasst. In der Regel legen sich diese Effekte nach 1–2 Wochen.

1. Kopfschmerzen

Die häufigste Nebenwirkung. Sie entstehen durch die Erweiterung von Blutgefäßen im Gehirn – das ist die gleiche Mechanik, die auch für den gewünschten Effekt auf andere Gefäße sorgt. Der temporär erhöhte Blutfluss kann als dumpfer Druck oder Ziehen empfunden werden. Meist verschwinden diese Kopfschmerzen nach wenigen Tagen, sobald sich das System angepasst hat.

2. Flush (Hitzewallungen im Gesicht)

Durch die gesteigerte Durchblutung kommt es manchmal zu einer sichtbaren Rötung der Haut, besonders im Gesicht und am Oberkörper. Das ist harmlos, sieht manchmal dramatischer aus als es ist, und verschwindet oft nach wenigen Minuten.

3. verstopfte Nase

Auch die Schleimhäute sind mit Gefäßen durchzogen – wenn sie sich erweitern, kann das zu einem leichten Gefühl einer verstopften Nase führen. Das klingt meist schnell ab und ist kein Zeichen einer Erkältung.

4. Rückenschmerzen oder Muskelschmerzen

Seltener, aber möglich: Manche Nutzer berichten von einem muskelkaterähnlichen Gefühl, besonders im unteren Rücken. Ursache ist vermutlich die Hemmung eines anderen Enzyms (PDE-11) in der Muskulatur. Dieser Effekt ist in der Regel mild und verschwindet mit fortgesetzter Einnahme.

Sicherheit & Kontraindikationen

Wie bei jedem Wirkstoff gilt es auch bei Tadalafil, Nutzen und Risiken abzuwägen. Grundsätzlich gilt Tadalafil als sicher und gut verträglich, insbesondere in den niedrigen Dosierungen, die im Biohacking-Kontext genutzt werden. Dennoch gibt es wichtige Punkte zu beachten:

  • Keine Kombination mit Nitraten: Das ist super wichtig! Medikamente aus der Herzmedizin wie Nitroglyzerin, Isosorbiddinitrat or Molsidomin (sowie bestimmte Poppers) dürfen NIEMALS zusammen mit Tadalafil eingenommen werden. Die Kombination kann einen drastischen Blutdruckabfall auslösen, der lebensgefährlich sein kann.
  • Natürliche NO-Booster sind unkritisch: Im Gegensatz zu Nitraten stellen Dinge wie Rote-Bete-Saft, Arginin/L-Citrullin oder andere Nahrungsergänzungsmittel, die den NO-Spiegel erhöhen, keine gefährliche Kombination dar. Sie können allenfalls die gefäßweitende Wirkung verstärken, aber nicht in dem Maße wie pharmazeutische Nitrate. Viele Sportler kombinieren bewusst Citrullin oder Rote Beete mit PDE-5-Hemmern für einen größeren Pump, was im Rahmen normaler Dosierungen als sicher gilt.
  • Typische Nebenwirkungen: Tadalafil kann, vor allem zu Beginn oder bei höherer Dosierung, Side effects verursachen. Dazu gehören am häufigsten Kopfschmerzen, Gesichtsrötung (Hitzegefühl), verstopfte Nase, Sodbrennen/saure Verdauung sowie gelegentlich Muskelschmerzen (insbesondere Rücken- oder Gliederschmerzen). Diese Symptome sind in der Regel mild und klingen von selbst wieder ab, sobald sich der Körper an die Einnahme gewöhnt oder der Wirkspiegel sinkt.
  • Wer sollte vorsichtig sein? Personen mit schweren Herz-Kreislauf-Problemen (z.B. instabile Angina, kürzlich erst erlittenem Herzinfarkt oder Schlaganfall) sollten die Anwendung nur nach Rücksprache mit einem Arzt erwägen. Auch wer von Natur aus sehr niedrigen Blutdruck hat (Hypotonie), muss vorsichtig dosieren, da Tadalafil den Druck weiter absenken kann. Bei schweren Nieren- oder Lebererkrankungen ist ebenfalls Rücksicht geboten, da der Wirkstoffabbau verlangsamt sein kann. Und schließlich gibt es eine sehr seltene Augenkrankheit (NAION), bei der PDE-5-Hemmer nicht eingesetzt werden dürfen, da sie theoretisch einen Sehnerv-Schaden begünstigen könnten.

Positiv zu vermerken: Im Gegensatz zu manch anderen Medikamenten macht Tadalafil nicht abhängig und beeinträchtigt nicht die Hormonachse oder zentrale Prozesse. Es wirkt peripher auf die Gefäße. Viele Anwender setzen es jahrelang in niedriger Dosis ein, ohne ernsthafte Nebenwirkungen. Nichtsdestotrotz sollte man – gerade wenn man Vorerkrankungen hat oder andere Medikamente nimmt – im Zweifel einen Arzt konsultieren, bevor man Tadalafil als Longevity-Tool in sein Programm aufnimmt.

Vorsicht außerdem vor Schwarzmarkt-Präparaten! Tadalafil ist ein verschreibungspflichtiger Wirkstoff – und das aus gutem Grund. Immer wieder tauchen im Internet vermeintlich günstige Generika oder „natürliche Alternativen“ auf, die nicht nur unterdosiert oder wirkungslos, sondern oft sogar gesundheitsschädlich sind. Analysen solcher Schwarzmarkt-Präparate zeigen teils extreme Schwankungen im Wirkstoffgehalt, Verunreinigungen oder Beimischungen unbekannter Substanzen. Wer Tadalafil ohne ärztliche Kontrolle einnimmt, riskiert nicht nur unerwartete Nebenwirkungen, sondern im schlimmsten Fall auch ernste Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. 

Longevity-Fazit

Blutgefäße stehen im Zentrum unserer Gesundheit – sie versorgen jedes Organ mit Blut. Eine Verschlechterung der Gefäßfunktion und Durchblutung ist einer der Haupttreiber des biologischen Alterns: Wenn Gewebe chronisch etwas zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe erhalten, bauen sie schneller ab. Ein gesundes, junges Endothel hingegen hält die Arterien geschmeidig und sorgt dafür, dass selbst im Alter alle Organe ausreichend durchblutet bleiben.

Tadalafil bietet die Möglichkeit, dieser Gefäßalterung entgegenzuwirken. Indem es die Endothelfunktion unterstützt und die Gefäßweite erhöht, könnte es helfen, den Körper länger auf „Jugend-Niveau“ zu halten, was die Durchblutung angeht. Tatsächlich legen Studien nahe, dass Männer mit regelmäßiger PDE-5-Hemmer-Einnahme langfristig seltener Herz-Kreislauf-Ereignisse erleiden und sogar geringere Sterblichkeitsraten aufweisen. Natürlich sind solche Befunde mit Vorsicht zu interpretieren – aber sie untermauern die Idee, dass bessere Gefäßgesundheit sich in besserer Gesamtgesundheit ausdrückt.

Am Ende des Tages ist Tadalafil kein Party- oder Lifestyle-Medikament, sondern könnte sich als ernstzunehmendes Werkzeug zur Erhaltung der Gefäßgesundheit und damit der allgemeinen Vitalität erweisen. Für Biohacker und Longevity-Enthusiasten, die systematisch an einer Verlängerung ihrer gesunden Lebensspanne arbeiten, ist dieser PDE-5-Hemmer einen genaueren Blick wert. Wichtig ist, das Thema ohne Scheuklappen anzugehen: Was früher als reine „Sex-Pille“ belächelt wurde, könnte sich als Schlüssel zu besserer Durchblutung, mehr Energie und funktioneller Langlebigkeit entpuppen.

Tadalafil ist also weit mehr als nur eine Potenzpille. Es ist ein potenzielles Longevity-Tool, das hilft, die Gefäße jung zu halten, die Energieverteilung im Körper zu optimieren und dadurch ein leistungsfähiges Leben bis ins hohe Alter zu unterstützen.

Energiegeladene Grüße,

Der Optimizer

Richard Staudner 

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Sources

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von Kuenssberg Jehle, D., et al. (2025). Benefits of tadalafil and sildenafil on mortality, cardiovascular disease, and dementia in large retrospective cohort. EClinicalMedicine. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39532245/ PubMed

Soulaidopoulos, S., et al. (2024). Long-term effects of phosphodiesterase-5 inhibitors on cardiovascular outcomes and death: Systematic review and meta-analysis. European Heart Journal. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38777751/ PubMed

Pauls, M. M. H., et al. (2022). The PASTIS trial: Testing tadalafil for cerebrovascular blood flow in vascular cognitive impairment. Journal of Cerebral Blood Flow & Metabolism. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC10078742/ PMC

Choi, J. B., et al. (2019). The effect of daily low dose tadalafil on cerebral perfusion and cognition in patients with mild cognitive impairment. Journal of Alzheimer’s Disease. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6705107/ PMC

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