Im ersten Teil der Longevity Dos and Dont’s 2026 ging es um die großen Strategien für gesundes Altern. In diesem zweiten Teil zoomen wir näher heran und werfen einen Blick auf die Details. Viele Maßnahmen, die im Longevity-Kontext bekannt sind, wirken auf den ersten Blick sinnvoll – halten einer genaueren Betrachtung aber nicht immer stand. Gleichzeitig gibt es einige Strategien, die weniger laut beworben werden, biologisch jedoch sehr sinnvoll sind.
Hier kommen nochmal fünf Longevity Dos and Don’ts, diesmal mit etwas mehr Tiefe.

DON’T 1: Kollagen als Wundermittel betrachten
Kollagenpulver gehören zu den meistverkauften Longevity-Produkten. Versprochen werden eine bessere Haut, stärkere Gelenke und ein festeres Bindegewebe. Das Problem: Kollagen ist kein magischer Baustoff, der direkt dort landet, wo man ihn haben möchte.
Im Verdauungstrakt wird Kollagen in einzelne Aminosäuren zerlegt – genauso wie jedes andere Protein. Der Körper entscheidet anschließend selbst, wofür er diese Bausteine nutzt. Ob daraus Haut, Muskeln oder Energie wird, hängt vom Gesamtstoffwechsel ab, nicht vom Etikett auf der Dose. Theoretisch könnten an da auch einen normale Eiweißshake nehmen aus Whey oder Eiklar
Für die körpereigene Kollagensynthese brauchen wir Aminosäuren, Vitamin C, Kupfer, Zink und einen funktionierenden Stoffwechsel. Wer diese Grundlagen abdeckt, braucht meist kein zusätzliches Kollagenpulver. Kollagen ist damit kein Longevity-Shortcut, sondern bestenfalls ein teures Protein.
Es gibt keine Studie, die Whey mit Kollagen direkt vergleicht. Wahrscheinlich ist ein hochwertiger Eiweißshake und eine gute Basis Versorgung von essentiellen Mikronährstoffen die bessere Strategie.
Man kann es natürlich trotzdem nehmen – schaden tut es auf keinen Fall – aber es ist eben auch nicht der Anti-Aging-Alleskönner, für den es oft verkauft wird.
DON’T 2: kleine Mengen Alkohol
Alkohol wird oft verharmlost – gerade im Kontext von Genuss, sozialem Leben oder vermeintlichen Herz-Kreislauf-Vorteilen. Aus Longevity-Sicht ist die Datenlage jedoch klarer geworden: Es gibt keine sichere Menge Alkohol – jeder Tropfen Ethanol schadet dem menschlichen Körper und vor allem dem Gehirn.
Alkohol wirkt entzündungsfördernd, belastet die Leber, stört den Schlaf und beeinflusst das Nervensystem negativ. Selbst geringe Mengen können die nächtliche Regeneration messbar verschlechtern. Für gesundes Altern ist das relevant, denn Schlaf und Reparaturprozesse sind zentrale Stellschrauben.
Besonders tückisch ist dabei, dass Alkohol subjektiv oft als entspannend erlebt wird, biologisch aber genau das Gegenteil bewirkt: Er aktiviert Stressachsen, fragmentiert den Schlaf und verhindert tiefe Regeneration. Aus Longevity-Sicht geht es deshalb nicht um Moral oder Verzicht, sondern um eine nüchterne Kosten-Nutzen-Abwägung für den eigenen Körper.
Über viele Jahre kann man bei manchen Menschen beobachten, wie regelmäßiger Alkoholkonsum langsam auch die Persönlichkeit verändert. Es wirkt manchmal so, als würde man ein Stück weit den Kontakt zu sich selbst verlieren – weniger Klarheit, weniger emotionale Stabilität, weniger echte Präsenz.
Auf lange Sicht macht Alkohol Menschen selten ausgeglichener oder angenehmer im Umgang. Das ist meine persönliche Beobachtung über die Jahre – gerade wenn es um Gesundheit, Lebensqualität und ein langes, gutes Leben geht.
Longevity bedeutet nicht völligen Verzicht um jeden Preis. Aber es bedeutet, ehrlich hinzusehen: Alkohol ist ein Stressor. Wer ihn zumindest schon mal reduziert, gewinnt mehr, als er verliert.
Wenn ihr tiefer in das Thema einsteigen wollt, dann lest diese beiden Artikel hier:
- Jeden Tag ein bisschen Alkohol ist doch gar nicht so schlimm – Mythos oder Wahrheit? – Richard Staudner
- Der neue Umgang mit Alkohol: Reduzieren statt verbieten – ein Praxis-Guide für den Alltag – Richard Staudner

DON’T 3: Multivitamin-Supps aus dem Drogeriemarkt-Regal
Regale voller Vitamine vermitteln Sicherheit. Die dahinterliegende Idee ist meistens: „Ich arbeite mich durchs Regal und nehme alles im vorbeigehen.” UND “ein Multivitamin einfach mal so kann ja nicht schaden.” Biologisch funktioniert dieses Prinzip jedoch nicht. Der Körper arbeitet nicht nach dem Gießkannenprinzip, sondern hochgradig reguliert und individuell.
Die meisten frei verkäuflichen Supplements aus Drogerien sind niedrig dosiert, ungünstig kombiniert oder schlecht bioverfügbar. Das bedeutet: Ein Teil der Inhaltsstoffe kommt im Körper gar nicht dort an, wo er wirken soll. Mineralstoffe liegen oft in Formen vor, die nur schlecht aufgenommen werden, Vitamine konkurrieren miteinander oder sind so gering dosiert, dass sie keinen relevanten Effekt haben.
Gleichzeitig können bestimmte Mikronährstoffe in falscher Dosierung Probleme verursachen. Vor allem fettlösliche Vitamine wie A, D, E und K sowie einzelne Spurenelemente wirken im Körper nicht unbegrenzt positiv. Ohne klaren Bedarf kann eine dauerhafte Einnahme schaden – insbesondere Leber und Nieren.
Longevity und Biohacking funktionieren über Präzision – nicht über möglichst viele Maßnahmen auf einmal. Entscheidend ist, gezielt einzugreifen statt wahllos zu supplementieren. Dafür braucht es eine saubere Labordiagnostik und einen kompetenten Arzt oder Therapeuten, der die Prozesse professionell begleitet. Auch in meinem Coaching gibt es keine Supplement-Empfehlungen ohne vorherige Analyse der relevanten Werte.
Hochwertige Supplements zeichnen sich nicht nur durch bessere Rohstoffe und auch für Laien einfach nachvollziehbare Laborstandards aus, sondern durch sinnvolle Dosierungen, gut verfügbare Verbindungen und transparente Qualitätskontrollen. Sie sind kein Ersatz für Ernährung, sondern ein gezieltes Werkzeug, um erkannte Lücken zu schließen.
Ein gutes Beispiel ist das beliebte Supplement Coenzym Q10. Du bekommst es meist in zwei Formen: als günstigeres Ubiquinon oder als bereits aktive, besser bioverfügbare Form Ubiquinol. Ein Qualitätsmerkmal ist hier etwa der Rohstoffstandard Kaneka, der für geprüfte Reinheit und eine standardisierte Herstellung steht. Das gibt dir mehr Sicherheit in Bezug auf Qualität und Gehalt – unabhängig vom jeweiligen Anbieter.
Das bedeutet nicht, dass nicht standardisierte Produkte automatisch unwirksam sind. Ubiquinon funktioniert grundsätzlich ebenfalls. Der Unterschied liegt vor allem in der Transparenz, Stabilität und Qualitätssicherung – und genau diese Präzision ist im Longevity-Kontext entscheidend.
DON’T 4: Oxidativen Stress mit hochdosierten Antioxidantien komplett „ausschalten“ wollen
Oxidativer Stress hat einen schlechten Ruf. Oft wird er als etwas dargestellt, das man möglichst vollständig eliminieren sollte – am besten durch hochdosierte Antioxidantien über lange Zeit. Aus Longevity-Sicht ist diese Logik jedoch zu kurz gedacht.
Freie Radikale sind nicht nur schädliche Abfallprodukte, sondern auch wichtige Signalstoffe. Sie entstehen bei Bewegung, geistiger Anstrengung oder anderen Belastungen und signalisieren dem Körper, sich anzupassen. Genau diese Reize aktivieren Schutzmechanismen, verbessern die Funktion der Mitochondrien und stärken die körpereigene Stressresistenz. Dieses Prinzip wird als Hormesis bezeichnet und gilt als zentraler Mechanismus für gesundes Altern.
Wer oxidativen Stress dauerhaft mit hochdosierten Antioxidantien unterdrückt, kann diesen Anpassungsprozess abschwächen. Studien zeigen, dass langfristig hohe Dosen isolierter Antioxidantien bestimmte Trainingseffekte und körpereigene Schutzsysteme dämpfen können. Der Körper wird dadurch nicht robuster, sondern eher abhängiger von externer Zufuhr.
Das bedeutet nicht, dass Antioxidantien grundsätzlich problematisch sind. Über eine nährstoffreiche Ernährung sind sie sinnvoll und wichtig für Zellschutz und Regeneration. Kritisch wird es eher dann, wenn einzelne Stoffe isoliert, hochdosiert und dauerhaft ohne klaren Bedarf eingesetzt werden.
Bestimmte Antioxidantien können als Supplement durchaus sinnvoll sein – vor allem in Phasen mit erhöhtem Stress, hoher beruflicher Belastung, wenig Schlaf oder intensiven Lebensumständen. Astaxanthin, Coenzym Q10 oder auch N-Acetylcystein sind Beispiele für Substanzen, die den Körper in solchen Situationen unterstützen können, ohne dass man pauschal und dauerhaft hochdosieren sollte.
Wie so oft im Leben geht es nicht um „mehr ist besser“, sondern um Balance. Der Körper braucht sowohl oxidative Reize als auch antioxidative Schutzmechanismen. Entscheidend ist die goldene Mitte – also ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Oxidation und Antioxidation.
Longevity bedeutet nicht, jeden Stressreiz zu vermeiden, sondern mit Reizen intelligent umzugehen. Anpassungsfähigkeit entsteht nicht durch maximale Abschirmung, sondern durch gezielte Herausforderungen und ausreichende Erholung.
DON’T 5: Selbsttests für Nährstoffmängel
Selbsttests boomen. Ein Tropfen Blut, eine App – und schon scheint klar, was dem Körper fehlt oder was „nicht stimmt“. Das Problem dabei: Biologie ist komplexer als ein einzelnes Messergebnis. Viele Marker schwanken im Tagesverlauf, reagieren auf Stress, Schlaf, Bewegung oder die letzte Mahlzeit und sind ohne Kontext nur eingeschränkt aussagekräftig.
Ein einzelner Wert bildet fast nie das ganze Bild ab. Manche Parameter zeigen nur Momentaufnahmen, andere hängen stark von kurzfristigen Einflüssen ab, während relevante Speicherwerte oder langfristige Trends unberücksichtigt bleiben. Ohne dieses Wissen entstehen schnell Fehlinterpretationen.

Hinzu kommt, dass die Validität und Methodik vieler frei erhältlicher Tests durchaus kritisch zu betrachten sind. Nicht alle Verfahren sind ausreichend standardisiert, nicht jede Analyse ist laborseitig sauber validiert, und Referenzbereiche werden teils uneinheitlich definiert. Das kann zu Ergebnissen führen, die wissenschaftlich nur begrenzt belastbar sind.
Ohne medizinische oder fachliche Einordnung führen solche Tests deshalb häufig zu Verunsicherung oder falschen Schlüssen. Plötzlich wird supplementiert, obwohl kein echter Mangel besteht. Oder es entsteht unnötige Angst, weil ein Wert außerhalb des Referenzbereichs liegt, der für die individuelle Situation vielleicht gar nicht relevant ist.
Longevity braucht Klarheit. Messen ist grundsätzlich sinnvoll – aber nur dann, wenn Ergebnisse eingeordnet, über Zeit betrachtet und sinnvoll genutzt werden. Werte entfalten ihren Nutzen erst im Zusammenhang mit Symptomen, Lebensstil, Stresslevel und dem individuellen Kontext.
Gezieltes Messen kann Orientierung geben und helfen, fundierte Entscheidungen zu treffen. Unreflektiertes Testen hingegen sorgt für Unsicherheit und Stress.
Die DOs – was sich wirklich lohnt
DO 1: Lithium niedrig dosiert einsetzen
Lithium ist eines der spannendsten Spurenelemente im Longevity-Kontext. Laut zahlreichen Studien kann es die neurologische und kognitive Gesundheit unterstützen. Wir reden hier von sehr niedrigen Mengen, wie sie natürlicherweise im Trinkwasser und in Lebensmitteln vorkommen. Genau diese niedrigen Mengen rücken zunehmend in den Fokus der Anti-Aging Forschung.
Beobachtungsstudien zeigen, dass Regionen mit leicht erhöhtem Lithiumgehalt im Trinkwasser mit einer geringeren Gesamtsterblichkeit assoziiert sind. Das bedeutet nicht, dass Lithium ein Wundermittel ist – aber es deutet darauf hin, dass es langfristig Schutzmechanismen im Körper unterstützen kann.
Auf biologischer Ebene wirkt Lithium nicht wie ein klassisches „Push-Supplement“, sondern eher wie ein Regulator. Es beeinflusst Signalwege, die für Zellschutz, Stressanpassung und Reparaturprozesse wichtig sind. Besonders relevant ist dabei der Zusammenhang mit der Autophagie – einem körpereigenen Recycling-System, bei dem beschädigte Zellbestandteile abgebaut und erneuert werden. Autophagie gilt als einer der zentralen Mechanismen für gesundes Altern.
Zusätzlich scheint Lithium die Stressresistenz von Zellen zu erhöhen, insbesondere im Nervensystem. Nervenzellen sind stark auf stabile Energieversorgung und Schutz vor chronischem Stress angewiesen. Niedrig dosiertes Lithium wird deshalb auch im Kontext von Gehirngesundheit, Kognition im Alter und emotionaler Stabilität diskutiert.
Wichtig ist dabei die richtige Einordnung: Lithium wirkt nicht akut spürbar und nicht leistungssteigernd. Es ist kein Lifestyle-Gadget und kein kurzfristiger Biohack.
Grundsätzlich scheint eine langfristige, niedrig dosierte Anwendung sinnvoller zu sein als eine punktuelle Hochdosis, wie sie teils im Biohacking-Bereich mit etwa 5 mg empfohlen wird. Entscheidend ist nicht die maximale Menge, sondern eine durchdachte, konstante und individuell abgestimmte Dosierung.
Die meisten Menschen kommen wohl mit 1 mg elementarem Lithium-Orotat aus. Natürlich kann man aber auch Lithium im Vollblut messen und sich dann an dem Wert orientieren.
DO 2: Peptide – Ein kontroverser Biohack, der einen Blick lohnt
Ja, ich hätte an dieser Stelle problemlos noch zwei oder drei weitere Supplements nennen können, die ich aktuell klar in der Kategorie „Must-have“ sehe – Substanzen mit solider Datenlage und breiter Praxiserfahrung.
Wie zum Beispiel Kreatin: seit über 30 Jahren intensiv erforscht, extrem gut untersucht und gerade wieder hochaktuell – nicht nur im Kraftsport, sondern auch als Neuro-Supplement im Kontext von Energie, Resilienz und kognitiver Performance.
Aber es war mir wichtig, hier Lithium ins Feld zu bekommen. Das Thema ist damit für dieses Ranking bewusst gesetzt – und ihr solltet es 2026 definitiv am Schirm haben.
Wenn wir allerdings strategisch weiterdenken, kommen wir an einem Feld nicht vorbei, das deutlich kontroverser – und vielleicht gerade deshalb so spannend ist.

Genau hier beginnt das Thema Peptide.
Was sind Peptide?
Peptide sind kurze Ketten aus Aminosäuren – im Grunde kleine Eiweißbausteine. Während große Proteine oft strukturelle Aufgaben übernehmen, wirken viele Peptide im Körper als hochspezifische Signalstoffe. Sie geben Zellen gezielte Anweisungen: reparieren, wachsen, regulieren, dämpfen oder aktivieren.
Unser Körper produziert zahlreiche Peptide selbst – etwa Hormone, Wachstumsfaktoren oder Botenstoffe des Immunsystems. In der Longevity-Szene interessieren vor allem synthetisch hergestellte Varianten, die körpereigene Moleküle nachahmen oder bestimmte Signalwege gezielt beeinflussen.
Drei besonders diskutierte Peptide im Longevity-Kontext
BPC-157
Ein Peptid, das vor allem im Zusammenhang mit Regeneration diskutiert wird. Viele beschäftigen sich damit, wenn es um Sehnen, Bänder, Muskeln oder den Darm geht. Während klassische Supplements wie Kollagen oder Omega-3 eher „Bausteine liefern“, zielt BPC-157 theoretisch stärker auf die Steuerung von Heilungsprozessen ab – also nicht nur Material, sondern ein mögliches Signal zur Reparatur.
MOTS-c (häufig als „Mod C1“ ausgesprochen)
Dieses Peptid wird im Zusammenhang mit Energie und Stoffwechsel diskutiert. Vereinfacht gesagt geht es um die Frage: Wie gut arbeiten meine Zellen? Wie effizient produziere ich Energie? Während typische Supplements wie Coenzym Q10 oder NAD-Vorstufen die Energieproduktion unterstützen sollen, wird MOTS-c eher als möglicher „Signalgeber“ betrachtet, der den Stoffwechsel auf Effizienz und Anpassung trimmt – also nicht nur mehr Energie zuführen, sondern den Umgang mit Energie verbessern.
Thymosin Alpha-1
Dieses Peptid wird im Zusammenhang mit dem Immunsystem besprochen. Vereinfacht gesagt geht es darum, die körpereigene Abwehr besser zu regulieren – also nicht nur „mehr Immunpower“, sondern eine intelligentere Steuerung. Während klassische Supplements wie Vitamin C oder Zink das Immunsystem unterstützen, wird Thymosin Alpha-1 eher als möglicher Regulator verstanden, der die Immunantwort strukturierter ausbalancieren soll.
Sei vorsichtig mit Peptiden!
Das Feld der Peptide ist faszinierend – aber es ist kein klassisches Supplement-Regal. Viele dieser Peptide sind in der EU nicht regulär als Arzneimittel zugelassen oder nur in sehr spezifischen medizinischen Kontexten verfügbar. In manchen Ländern gelten sie als Forschungschemikalien. Die regulatorische Lage ist komplex und unterschiedlich.
Zudem sind die meisten Peptide nicht oral bioverfügbar. Sie werden in der Regel subkutan injiziert – mit Insulinspritzen. Das bedeutet: Wir sprechen nicht über eine zusätzliche Kapsel, sondern über direkte Eingriffe in körpereigene Signal- und Regulationssysteme mit einer Spritze. Das kann starke Effekte bedeuten – aber auch Risiken. Die Datenlage reicht je nach Substanz von vielversprechend bis noch sehr begrenzt.
Bitte begegne Themen wie Peptiden, Exosomen oder anderen hormonell wirkenden Substanzen, die über die klassische Supplementierung hinausgehen, mit Respekt und vertraue ausschließlich hochwertigen Informationsquellen – spiele nicht leichtsinnig mit deiner Gesundheit. Auch wenn das Potenzial hier gigantisch erscheint, bleibt die Basis entscheidend: Wenn Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stressmanagement nicht sauber aufgestellt sind, wird kein Peptid der Welt deine Probleme nachhaltig lösen.
DO 3: Stressmanagement – Den Vagusnerv bewusst stimulieren – Regulation statt Dauerstress
Der Vagusnerv ist eine der zentralen Schaltstellen zwischen Gehirn und Körper. Er gehört zum parasympathischen Nervensystem – also dem Teil des Nervensystems, der für Ruhe, Regeneration, Verdauung und Heilung zuständig ist. Vereinfacht gesagt: Während der Sympathikus aktiviert, antreibt und mobilisiert, sorgt der Vagus dafür, dass der Körper wieder herunterfährt.
Ein gut funktionierender Vagusnerv bedeutet, dass der Körper flexibel zwischen Anspannung und Entspannung wechseln kann. Genau diese Fähigkeit nennt man Regulation. Sie ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für gesundes Altern, denn chronischer Stress entsteht weniger durch einzelne Belastungen als durch die Unfähigkeit, nach Belastung wieder in den Ruhemodus zurückzufinden.
Der Vagusnerv beeinflusst unter anderem Herzfrequenz, Atmung, Verdauung, Entzündungsprozesse und die Kommunikation zwischen Gehirn und Immunsystem. Ist seine Aktivität niedrig, bleibt der Körper länger im Alarmzustand. Ist sie gut ausgeprägt, fällt es leichter, Stress abzubauen, Schlaf zu finden und Energie zu regenerieren.
Die gute Nachricht: Der Vagusnerv lässt sich gezielt und sanft stimulieren. Besonders wirksam sind Reize, die dem Körper Sicherheit signalisieren. Dazu gehören Atemübungen mit verlängertem Ausatmen, langsames und ruhiges Atmen insgesamt, Summen oder Singen (durch Vibrationen im Kehlkopfbereich), sanfte Bewegung wie Spazierengehen oder Yoga sowie Kältereize im Gesicht, etwa durch kaltes Wasser. Diese Reize sind unspektakulär, wirken aber direkt auf das Nervensystem.
Auch soziale Nähe, Berührung und ein Gefühl von Verbundenheit aktivieren den Vagusnerv. Das erklärt, warum gute Gespräche, Nähe und zwischenmenschlicher Kontakt so stark stressregulierend wirken – sie sind buchstäblich neurobiologisch beruhigend.
Inzwischen gibt es zudem Wearables und technische Hilfsmittel, die vagale Aktivität indirekt messbar oder stimulierbar machen. Sehr beliebt sind hier Nurosym, GammaCore und Pulsetto. Entscheidend ist jedoch: Kein Gerät ersetzt die grundlegenden Reize wie Atem, Bewegung, soziale Beziehung und bewusste Pausen.
Longevity entsteht nicht durch Dauerleistung, sondern durch die Fähigkeit zur Erholung. Der Vagusnerv ist dabei kein exotischer Biohack, sondern ein zentraler biologischer Mechanismus, der entscheidet, ob der Körper langfristig im Reparaturmodus arbeiten kann. Ihn zu pflegen bedeutet, dem Nervensystem regelmäßig zu signalisieren: Alles ist in Ordnung – Regeneration ist erlaubt.

DO 4: Messen – Machen – Messen
Gezielte Longevity beginnt mit Wissen. Labordiagnostik ermöglicht es, den eigenen Körper tatsächlich zu verstehen. Blut-, Urin- oder Speichelanalysen können zeigen, wo echte Defizite bestehen – und wo nicht. Das betrifft nicht nur klassische Nährstoffe, sondern auch Entzündungsmarker, Stoffwechselparameter, Blutzuckerregulation oder hormonelle Achsen. Natürlich können neben der Labordiagnostik auch objektive Messmethoden wie die Analyse der Körperzusammensetzung, Herzratenvariabilität, Griffkraftmessung oder eine Sport-Leistungsdiagnostik mit VO₂max-Bestimmung wertvolle Daten liefern – sie machen funktionelle Kapazität, Regenerationsstatus und metabolische Effizienz sichtbar und ermöglichen eine gezielte, datenbasierte Steuerung von Gesundheit und Langlebigkeit.
Der entscheidende Punkt ist dabei die Reihenfolge: erst messen, dann handeln. Wer ohne Daten supplementiert, therapiert und umsetzt, arbeitet mit Annahmen. Wer misst, kann gezielt reagieren. So wird Biohacking präzise, individuell und sinnvoll – statt pauschal, zufällig oder rein trendgetrieben. Zwei Menschen können sich subjektiv ähnlich fühlen und vergleichbare Ziele verfolgen – und dennoch in ihren biologischen Werten und individuellen Bedürfnissen grundlegend verschieden sein. Longevity ist deshalb immer persönlich.
Ein weiterer Vorteil: Messen schafft Ruhe. Statt ständig neue Produkte auszuprobieren oder auf jedes Symptom reflexartig zu reagieren, entsteht Klarheit darüber, was wirklich relevant ist. Das schützt vor Überversorgung, unnötigen Kombinationen von Maßnahmen und Supplements oder sogar vor langfristiger Belastung des Körpers.
Gezielte Labordiagnostik spart damit nicht nur Geld, sondern auch Energie – mental wie körperlich. Sie reduziert unnötige Interventionen und ermöglicht es, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Longevity bedeutet nicht, möglichst viel zu tun, sondern die richtigen Dinge zur richtigen Zeit. Und dafür ist Wissen die solideste Grundlage.
Eine Laboranalyse solltest du idealerweise von einem Profi begleiten lassen. So vermeidest du, unnötig Geld in Diagnostik zu investieren oder Werte bestimmen zu lassen, die für deine aktuelle Situation kaum Relevanz haben. Nicht alles, was messbar ist, ist automatisch sinnvoll.
Wie so oft liegt auch hier das Ideal in der Mitte. „Wer viel misst, misst viel Mist“ – dieser Satz hat einen wahren Kern, wenn ohne Strategie getestet wird. Erfahrene Fachpersonen, die täglich mit Labordiagnostik arbeiten, können deutlich besser einschätzen, welche Parameter in deinem individuellen Fall wirklich sinnvoll sind und welche nicht.
DO 5: Schlaf zur obersten Priorität machen
Schlaf ist einer der effektivsten, aber oft unterschätzten Biohacks. Während du schläfst, laufen zentrale Reparaturprozesse ab: das Immunsystem wird reguliert, das Gehirn verarbeitet Informationen, und Zellen regenerieren sich.
Studien zeigen klar, dass chronischer Schlafmangel mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen und eine verkürzte Lebensdauer verbunden ist. Experten empfehlen Erwachsenen rund 7–9 Stunden Schlaf pro Nacht.
Ohne ausreichend Schlaf geraten diverse körperliche Prozesse aus dem Takt. Entzündungsmarker steigen, die Stressresistenz sinkt, die hormonelle Balance verschiebt sich. Viele Longevity-Maßnahmen verlieren in diesem Zustand deutlich an Wirkung, weil der Körper schlicht nicht in der Lage ist, Reize sinnvoll zu verarbeiten oder Anpassungen umzusetzen. Schlafmangel ist damit kein kleines Defizit, sondern ein zentraler Engpass.
Auch im Leistungssport zeigt sich immer wieder: Schlaf ist keine Nebensache, sondern eine zentrale Säule der Regeneration und Leistungsfähigkeit. Studien belegen beispielsweise, dass sich im Tennis die Aufschlagsqualität um rund 14 % verbessern kann, wenn Schlafdauer und Schlafqualität gezielt optimiert werden. Im Rugby sinkt die Fehlerquote, während Reaktionsfähigkeit und Entscheidungsqualität steigen. Im Basketball wurde eine Verbesserung der Trefferquote von nahezu 10 % beobachtet. Selbst im Ausdauerbereich lässt sich eine Steigerung der konditionellen Leistungsfähigkeit von bis zu 3 % messen, wenn Athletinnen und Athleten ausreichend und qualitativ hochwertig schlafen.

Schlaf bewusst zu schützen ist eines der fundamentalsten Biohacking-Prinzipien. Dazu gehören konstante Schlaf- und Aufstehzeiten, ein ruhiger Übergang in den Abend ohne digitale Dauerreize, gedimmtes Licht, echte Dunkelheit im Schlafzimmer und ein Umfeld, das Sicherheit und Entspannung vermittelt.
Schlaf ist kein passiver Zustand, in dem „nichts passiert“. Er ist aktive Regeneration, Reparatur und neuronale Feinabstimmung. Wer hier nachlässig ist, limitiert die Wirkung aller anderen Maßnahmen. Ohne solide Schlafbasis bleiben selbst die ausgefeiltesten Biohacks deutlich unter ihrem Potenzial.
Fazit:
Longevity im Detail bedeutet nicht, immer mehr zu machen. Es bedeutet, klüger auszuwählen. Extreme, kurzfristige Trends und blinder Aktionismus bringen selten nachhaltige Vorteile. Präzision, Regulation und echtes Verständnis hingegen schon.
Auch Teil 2 zeigt: Die wirksamsten Strategien sind oft leise – aber biologisch überzeugend.
Du musst nicht jedem Hype hinterherlaufen. Reflektiere zuerst und entscheide bewusst, was wirklich zu deinem Leben, deinem Alltag und deinen Zielen passt.
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Energiegeladene Grüße
Richard Staudner
Der Optimizer
Quellen
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